Was ist ein Flaschenschiff?
Ein Flaschenschiff oder Buddelschiff
ist das meistens handgefertigte Modell eines Schiffes,
meistens eines Segelschiffes, in einer Glasflasche.
Das
besondere Merkmal
der
Flaschenschiffe ist, dass sie den Betrachter
mit der Größe des Modells im Vergleich zum
Flaschenhals verblüffen.
Dieser Effekt wird dadurch erzielt, dass die Takelage des
Schiffes beim Einführen eingeklappt ist und
nachträglich von außen
mit feinen Instrumenten in ihre naturgetreue und raumgreifende Position
gebracht wird.
Der Bau
Als Flasche wird aus
Stilgründen meistens eine klare, glatte
Spirituosenflasche üblicher Größe (meistens
0,7 l bis 1,0 l, jedoch
auch bis zu 5,0-l-Gastronomie-Größe oder ein
"Flachmann") bzw. eine
klare Apothekerflasche entsprechender Größe benutzt.
Auch Kunst- bzw.
Designerflaschen finden Verwendung. Der Durchmesser der
Flaschenhalsöffnung beträgt bei ernsthaften Modellen
höchstens ein
Viertel bis ein Drittel des Durchmessers einer Flasche mit
kreisförmigem bzw. der Seitenlänge oder der
Diagonalen einer Flasche
mit vierseitigem Querschnitt.
Der Rumpf
wird aus Massivholz, die Masten
meist aus
handelsüblichen
Rundholzstäben, die Takelage
aus Garn und die Segel
meist aus
Papier
gefertigt. Die Verwendung von Originalmaterialien (evtl. Metall
für
Rumpf und Spieren, Stoff
für die Segel)
ist wegen der
mangelhaften
Verarbeitbarkeit und der aufgrund des Maßstabes wenig
authentischen
Optik wenig verbreitet.
Das Flaschenschiff
wird außerhalb der Flasche
fertig
gebaut, jedoch mit klappbaren Masten
und beweglichen Spieren
ausgerüstet. Die Takelage
wird derart an Rumpf
und Masten
befestigt bzw. an
entsprechenden Stellen durch dafür vorgesehene Löcher
in Masten,
Spieren und Rumpf
geführt, dass die Masten
nach achtern (hinten)umgelegt werden können. Dabei haben die
einzelnen
Fäden eine derartige Länge, dass sie später
noch aus der Flasche heraus
ragen, um an ihnen die Masten
durch Zug wieder aufrichten zu können. Zum Kippen besitzen
die Masten
ein meistens aus Draht hergestelltes Gelenk am Fuß.
Das
fertige Schiffsmodell wird mit einer Spezialzange mit dem
Heck
voraus und mit am Rumpf
anliegenden Masten
und Spieren
durch den
Flaschenhals in die Flasche gebracht und dort auf eine vorgefertigte
gefärbte Masse, die das Meer darstellen soll (meistens Kitt),
gesetzt
und fixiert. Nun werden die Masten
mit den Fäden wieder
aufgerichtet,
die Fäden an den Löchern im Schiffsmodell
festgeklebt, mit einem
Spezialwerkzeug am Schiffsmodell abgetrennt und die Flasche
schließlich
verschlossen.
Seemannsgarn
Lange Zeit umgab den Flaschenschiffbau so etwas wie ein Geheimnis. So hatte der alte Seemannsschnack, demzufolge es eine Flüssigkeit geben soll, die die Hand so geschmeidig macht, dass sie mühelos durch den engen Hals einer leeren Rum- oder Kömflasche gleiten kann, um dann noch im Flaschenbauch das Wunder des kleinen Modells zu bauen, schon manch gläubigen Zuhörer gefunden.